Aus diversen Zeugenaussagen erfahren wir, dass Stocker sich jeweils als sehr gut situierter Mann vorstellte, in gut bezahlter Stellung, mit erfolgreichen Geschwistern oder bisweilen auch in Erwartung einer sehr grosszügigen Erbschaft. Um vertrauenswürdiger zu wirken, erschien er bei seinen Rendezvous in einer Leutnantsuniform. Stocker versprach teilweise schon beim ersten Treffen die Heirat, zeigte, dass es ihm scheinbar ernst war, und es gelang ihm regelmässig, innert kürzester Zeit das Vertrauen von Frauen zu erschleichen.
Mit seiner eigentlichen Motivation hielt er nie lang hinter dem Berg. Er bedrängte die Frauen, ihm Geld zu leihen, da er entweder seine Brieftasche vergessen oder verloren hatte und zur Arbeit reisen oder zu einem vermeintlichen Militärdienst einrücken musste. Er versprach, ihnen das Geld schnellstmöglich zurückzubezahlen, was natürlich nie geschah und auch nie beabsichtigt war. Gaben sich die Frauen skeptisch oder waren nicht so leicht zu überzeugen, scheute er auch nicht vor drastischeren Mitteln zurück bis hin zur Androhung, sich das Leben zu nehmen.