Hexenverfolgung

Eidgenössische Chronik des Luzerners Diebold Schilling, 121

Abb: Anna Vögtlin, die Hostien-Diebin, wird 1447 am unteren Tor vor dem Städtchen Willisau als Hexe verbrannt (aus Diebold Schilling, Eidgenössische Chronik, 121)

Die Luzerner Hexenverfolgungen gehören zu den am besten dokumentierten in der alten Eidgenossenschaft. Eine Fülle von Quellen belegt die Interaktion zwischen der Bevölkerung und den Behörden und den obrigkeitlichen Umgang mit dem vermeintlichen Delikt der Zauberei und Hexerei seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bis zur letzten Hinrichtung im Jahre 1675: Einträge in den Ratsprotokollen und Rechnungsbüchern, Urfehden, Kundschaften und Verhörprotokolle gewähren in zunehmender Dichte Einblick in die Verfahren. Obwohl sich seit dem 19. Jahrhundert bis in die jüngste Zeit immer wieder Forschungen mit dem Phänomen der Luzerner Hexenverfolgungen beschäftigt haben, bleiben noch viele Fragen offen.

Eine erste kurze Einführung zum Hexenwesen bietet das Historische Lexikon der Schweiz, zur Hexenverfolgung in Luzern das Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung.

Weiterführende Informationen bietet Ihnen unser Text zum Forschungsstand mit einer chronologischen Auswahlbibliographie.

Zum Beispiel: Barbara Schatzmann, 1570

aus: Zentralbibliothek Zürich, F 19, fol. 121v.

Abb: Der Teufel holt den Körper, nur ihre Haut bleibt zurück (aus: Aus Johann Jakob Wick: Sammlung von Nachrichten zur Zeitgeschichte aus den Jahren 1560-87. Zentralbibliothek Zürich, F 19, fol. 121v.)

Barbara Schatzmann stammte aus St. Gallen, wo sie als Hebamme tätig gewesen war. Ins Luzerner Gefängnis war sie wegen Verdachts auf Wettermachen gekommen, wurde dann im Verhör aber auch auf ihre Hebammentätigkeit angesprochen. Angeblich will sie 27 Kinder gleich nach der Geburt durch einen Nadelstich in den Kopf getötet haben; von magischen Umständen ist dabei keine Rede, auch nicht von einer Verwendung der toten Kinder zu zauberischen Zwecken.

Transkription

Barbara Schatzmann starb im Gefängnis, bevor man sie verurteilen konnte; ihre Leiche wurde verbrannt. Vor ihrem Tod hatte sie noch gesagt, der Teufel sei zu ihr ins Gefängnis gekommen und habe ihr gedroht, sie zu zerreissen, wenn sie etwas gestehen sollte.

Diese Bemerkung erfährt in der Chronik des Zürcher Chorherrn Johann Wick eine makabre Ausgestaltung: Hier kommt tatsächlich der Teufel und holt den Körper der Frau; nur ihre Haut bleibt im Gefängnis zurück.

 

Ausgewählte Quellenbeispiele (Transkriptionen)

Sie finden hier eine Anzahl Transkriptionen, die die Arbeit mit Originalquellen erleichtern sollen.

Transkriptionen: Stefan Jäggi