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Bauernkrieg 1653: Rechtfertigung des Beromünsterer Propstes Wilhelm Meyer nach 1653

Wilhelm Meyer, der selber aus der Luzerner Führungsschicht stammte, besass als Propst in Beromünster und im Michelsamt weit gehende Rechte als lokaler Herrschaftsträger. Seine Loyalität galt dem ihm anvertrauten Stift, dessen Privilegien er gegenüber den Bauern energisch und tatkräftig vertrat. Nie gutheissen konnte er aber die brutale Unterdrückung der Aufständischen durch die Obrigkeit, die er in Anlehnung an die Gräueltaten der schwedischen Truppen im Dreissigjährigen Krieg als «Schweden» (p. 6) bezeichnete. Trotzdem hatte er auch wenig Sympathie für die Anliegen der Rebellen, denen er sich in spitzfindigen Verhandlungen zu entziehen suchte. In seiner Rechtfertigung zu Handen seiner Verwandten schildert er seine Verhandlungstaktik und die Umstände, unter denen er seine Entscheidungen zu treffen hatte.

Das Original liegt heute im Staatsarchiv Luzern mit der Signatur FAA 6061

Weiterführende Literatur: Gregor Egloff, Herr in Münster. Die Herrschaft des Kollegiatstifts St. Michael in Beromünster in der luzernischen Landvogtei Michelsamt am Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit (1420-1700), Basel 2003, S. 154-162 (= LHV Bd. 38).

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Bauernkrieg 1653: Rechtfertigung des Beromünsterer Propstes Wilhelm Meyer nach 1653 - Seite 1
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Tit.
Under anderen unbilden, mit welchen ich bin verfolget worden, uff dass man mich by der weltlichen oberkeit, alss der stifft collatoren und patronen möcht verdächtig machen, in ungnaden bringen, dardurch nur desto herter könt zugesetzt werden, war auch dise:
Ignominiosum illud faedus rebellium rusticorum in Hutwil convenientium capitulo sub certa restrictio mentalis poss... non tam acceptari, verum hic et nunc consulto acceptandum persuadere conatu..e, art. 28.
Welchen ufflag wil ich nit wenig empfunden, wiewol all derglichen schandlichen und unwahre erdichtungen solten ufgehebt und vergraben sin; Nichts destoweniger, wan auch nach einem dodt filicht böse zungen sich regen möchten, hab ich ein nothurfft eracht, disen grüntlichen bricht ze hinderlassen, damit, wo es von nöthen, dardurchmin und der minigen ehr errettet würde.
Alss die buren uff ein nüwers gegen ihren oberkeiten widerspenig erzeigten im jahr 1653 hat uff dem mayenmercht nach St. Michels erschinung, war der 12. mayen, Hartli von Saffenthal (der buren redliführeren angenemmer, und umb ihrer anschläge vil wüssenschaft tragender junger man) die burger im flecken angredt, dass sy mit den zehen lucernerischen empteren auch in punt inlassen solten, nit in den artiklen und obligen der buren gegen ihren oberkeiten; sonder allein zu dem zil redend hin, zu verhüeten, dass der flecken Münster, wan ein bursame nach dem zu Hutwyl beschlosnen punt mit wehr und waffen sich werden usgiesen, nit mit höchster gefahr überfallen, und ihnen alss finden hart zugesetzt werde: Er sages ihnen, und mein es zum besten, sitenmahl diser punt anderst nit bestehen müeste alss in vier puncten. Erstlich sollen die Münsterischen gegen den lucerner Empteren im punt begriffen nichts findthetliches vornemmen, sonder gute fründ sin. 2. sollen sy in keinen kosten, so genante empter usgestanden, begriffen sin. 3. werden by hus und heim glassen, und in kein uszug genötet werden. 4. fahls der flecken von jemand  
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wurd findtlich antastet, sollen von den zehen empteren gnuogsame hilff ze gwarten haben. Dan auch her prelat von St. urban, dergestalten mit den gemelten empteren puntlich vergriffen sie.
Über solchen vorschlag da hiesige burger zwüschen tür und angel stunden, wider ehr und eidt nit gern etwas zulassen wolten, hingegen aber sagen, dass ihr oberkeit sye by dem ihrigem nit schinen möchte, kamen zu mir noch am selbigen abet dry us den burgeren, namlich Ludwig Kopp, Franz Trachsler, und Marti Adrio begerende vor capitul ze vernemmen, wass ihnen desshalben rathen wurde. Hieruff capitul angesaget worden.
Den 13. mayen vor capitul zitt in dem crützgange vor dem Ölberg alss ich in dass capitul gewölt, kumbt der väteren Capucinern von Sursee ihr Gwardian, R. P. Dominicus, begerende mit mir zereden, zeigt an, wass gestalten die buren ein bösen anschläg gefasset uff die stifftherren zu Münster, und wan selbigen mit den buren nit uff etwelche wyss und form werden verstehen können, geben yr sach in üsserste gefahr, auch libs und lebens. Und alss ich im vorgebracht wass Härtli an mine burger, und diese vor capitul begeren, leiten und disponieren könte. Woruf ich ihme gebetten, solle zum überfluss und mehrerer sicherheit mit sinen vätteren, deren er zween glahrte männer by sich hate, darüber...ass mit guten fuogen zethun und zlassen sie; rhats pflegen, und mich wider wüssen lassen so er gethan mit einem zedeli mit siner eigenen hand, so ich noch by mir hab, in volgenden worten:
Stunden also vor capitul in namen einer ganzen burgerschafft vier abgeordnete mannen (1. Adam Tachsler ammann, 2. Wilhelm Kurz der bleiker, 3. Jakob Sali, 4. Jacob Herzog oder Wilhelm Kurz der ferber) bringen vor, wie genanter Hartle ihnen rhate sich mit den zehen empteren in ein punt, wie oben vermelt, inzelassen, anderst sy von den buren dass usserste zebefahren. Ein burgerschafft aber ohn ustruckenliche bewilligung der stifft nichts
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welle verhandlen.
Darüber dan villerlei meinungen eingefallen, etliche die forichtsamste, so ihrer beste sachen beiziten nach Luvern führen lassen, vorhabens in gröster gefahr solcher nachfolgen und die stifft ze verlassen, wolten keinswegs hiemit gegen einer obrigkeit nit anzefahren, von einem punt etwass hören. Andere vermeinten, sitemal ein hohe oberkeit dissfahls der stifft nichts helffen könne, solche auch niemal avisiert, wass in begebendem fahl zethun were; müsse man thun zum besten, wass man könne bevorstehender gefahr zu entrünnen. Andere wüsten nit wo uss, wo an.
In so widerwertigem zustandt war min meinung: Mich gedunke, dass die puren mit dem so einfeltigen punt ihrer sach mit unss begeren ze vermentlen, theils auch dardurch ihnen sicheren ruggen zemachen; und in den vier artiklen sihe ich nichts, dz mer zesch..., alss dz wörtli punt; und da mir einer us dem capitul begegnet, dz sie nit ein punt, sunder nur ein neutralitet: die buren meinen dan wir sien ein punt, an im selbst aber sie es nur ein neutralitet; er well zu keinem punt wider die natürlich oberkeit helffen, sie wider alles co...enz. Anntwortete ich: Man könn die buren lassen in ihren wahn und meinung lassen verfahren, ligge unss nichts daran; und wan ich mit minem blut dise brunst dammen könte, welte es nit sparen; da aber iez weder Lucern der stifft, noch hingegen ein stifft Lucern helffen möge, zu vermidung der ergernuss des wörtlins punt solte man die vier puncten in gschrifft verfassen, den buren übergeben, und von ihnen dessglichen ein schrifftlichen revers begeren, damit in allen begebenheiten man us den schrifften sehe, wie ein stifft uss keinem beginnen, vorzitlichen yfer oder mutwillen, sunder nichts anderes begert und gesucht, alss unserem undergange zu entfliehen: Es geben doch die buren auch für, dass herr prelat von St. Urban by ihnen ihm punt, ob dem also, werd sich auch im ufbutzen erscheinen. Und so mier diss nit ingehen, werden wir vil bösers thun müessen, die burger namlich wider unser vätter in kriege schicken, munition, spiss und drank hargeben; und nichts destoweniger darzu aller gfahr underworffen sin, welches dan nit neutralisch, sonder sie positve findschafft erzeigen. Und diss war min meinung, ohne massgeben, dass man solcher meinung folgen müess oder sole. Wan aber dz wörtli punt, wie es an im selbsten, odios, ist  
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vor capitul beschlossen worden, in die vier obgenante puncten den zehen emptereninzewilgen, ussert allein, dz man kein punt vernamse; hiemit zween mit einem brieff von der stifft secretary gehn Willisaw abgefertiget, welche von den buren zwar ein schrifftliche antwort, aber weder kalt noch warm, mit sich heimgebracht. Ist alsonie vor capitul angebracht, auch nie gedenkt worden, dass man gen Hutwil schiken, vil weniger mit der bernischen in ein verheltlichen, schantlosen punt, wie aber die verwahrschaft ansag lutet, sich einzemischen.
Bals heruff ist der buren uffbruch nach Bern und Lucern vorgangen, da die burger mitzeziehen genötiget worden, sy aber nit ziehen wollen, ein stifft befelch es ihnen, oder lasse es zu, damit ihnen aber in künfftigem, wie vormals auch geschehen, fürgerupft werde, alss werens wider ehr und eidt usgezogen.
Hiemit ein capitul abermal hefftig angestanden, wie der sach mit ehren abzehelffen. Und eben jenige, welche vormalen von den vermeinten punt nüd wüssen wolten, waren in solchen ängsten, dass sy bösers, der oberkeit und stifft vil nachtheiligeres etc. ingehen müessen; dan sy : 1. di eburger ihres eidts entlassen, dass sy in disem fahl thun und lassen mögen, wass ihnenguet gedunkt, ohn dass es ihnen jemalen solle zum argen verzogen werden; 2. hat man sy positiv wider unserer elteren findtschaftlich uffbrechen und in krieg ziehen lassen müessen; 3. man hat ihnen win und brod in dz leger nachschicken müessen, und darin erhalten; 4. müss ein lürpriester in stifft kosten in dz läger veror[d]nen; 5. hat man dz paner us der probsty hargeben müessen; 6. die Willisawer und Berner etlich hundert man mit fliegenden fahnen den flecken überzogen; 7. vorhabens die chorheren ze plünderen, mitzeführen und in scharmützeln vor daran stellen; 8. sind etlich tagen zu Münster uff die stifft und priesterschafft zu henden verbliben, ihnen gwaltig uffstellen und dienen lassen; 9. munition und doppelhäggen abgefordert; 10. haben mitelst fulen pratiken by berner und lucerner buren die stifftheren alss wie mörder und brenner verschreit, und 11. alss sy sich durch zwen usgeschosne dass versprechen wollen, gefanklich in arrest genommen; 12. dermassen uff die chorherren ge-  
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luret, dz wan got den compass nit wunderlich verenderet, die sach übel het usscglagen sollen. Misericordia domini, quia non sumus consumpti.
Diewil dan dise alle armseligkeiten mit irem, wie oben gemelt, vermeinten punt (so restrictionem mentis übel die nidharden usdeuten) hete man wenden können, lass ich jeden verstandigen urtheilen, ob min meinung solle in verdacht zogen werden (zudem wan diss stimm, darzu ich niemand gezogen noch genötiget, sonder mine argument dargethon, dz ich es redlich für die stifft, für den flecken und der oberkeit zu gutem meine [Nachtrag am Rand]); besonders da jederman bekent, wass ich von den rebellen die ganze zitt uss für müch und arbeit von der stifft und oberkeit wegen usgestanden, derglichen trangsal im kein mensch liechtlich wird inbilden. Ich St. Michelsampt etlich malen wider uff die rechte strass gebracht, und wan sy die Rotenburger mit abtrewen nit widerumb bekehrt, in der gebürlichkeit erhalten hete: die zween weibel Heinrich Schüpfer und Claus Herzig hab ich mit minem rhat und that, dz sy alzit bestendig verbliben, und sich den rebellen nie zugeselt, erhalten: deren der einte zu erkantnus siner thrüw zum amptsvendrich hernach von mir erwelt worden. In werendem zumult etliche oberkeitliche manifest, so niemand verkünden dörffen, ich uff anhalten der oberkeit dem ampt verkündt, zur gehorsamme gegen ihren oberen (offentlich in der kirchen [Nachtrag am Rand]) angemanet. Von den stifftsheren böse erdichtete lümde abzelehnen, hab ich under allem unwesen ein buren den urheber gethürnt, wiewol die buren mit solchen mit gewalt wider us der gfenknus gnommen, und mich darüber versteinigen wollen. Unangesehen dz auch hiesige burger von chorheren selbst wider mich sind uff- und angesetzt worden. Das büchsenpulver, so die stifft hate, damit es den buren nit in die hand keme, hab ich nechtlichen wyss hart neben ihrer schiltwacht hinwegg nemmen, und vergraben lassen. Die Willisawer mit früntlichkeit nebet undermischtem ernst underbrochen, und von ihrem bösem vorhaben, die stifftheren ze plünderen abgehalten; auch solche leuth nit ohne sonderbare vorsorg wider ab- und us dem flecken verschaffet. Entlich damit St. Michelsampt zum allererst von den anderen empteren in ihrem leger vor der stadt Lucern abfiele und von der belegerung abzuge, hiemit die buren in zweiffalt und discretion ze bringen,  
Bauernkrieg 1653: Rechtfertigung des Beromünsterer Propstes Wilhelm Meyer nach 1653 - Seite 6
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war ich die ursach, da ich die schrifften, welche die Berner gegen den lucerner buren in dz läger gewechslet, uffangen und anstath derselben dienstliche schriben machen und abgehen lassen, mitelst deren die buren in confusion, schrecken und uneinigkeit wider einanderen gebracht worden.
In summa vor, inmitten und nach dem unwäsen, hab ich nichts underlassen, theils gegen oberkeitlichen personen mit referieren, was ihnen dienstlich, theils die stifft zu erhalten und den ganzen flecken (auch wan ich nit abgewehrt, etlich particular chorheren, wegen ihren unbehebnen zungen, von den buren gwaltig weren erklopfet worden), wass ir zedennen dise leidige brunst dauglich, und mir in müglich zethun war.
Niemand wird mit der warheit reden, dz ich mit worten, werken einigem menschen anlaas geben; oder etwan ungerades geheissen, gerhaten, deütet, oder angemanet oder uffgwicklet, wie etwan andere gethan, so ietz die unbescheidenheit der lantvögten, ietz die wucherien, ietz die unbescheidenheit der schriberen, ietz die contributionen, und ingefüerte nüwerungen unbillichen anlegen, offentlich alss ein ursach dises unheils dargeben, ja die oberkeit selber Schweden namsen dörffen (dardurch die rebellischen gmüter gesterkt worden, und zu nassem bald geregnet).
Nach übergangenem wetter haben solche wäterhanen gedenkt sich schön zemachen, ihr unflath mit einer so faltschlichen verstunknen und erlognen zured, so sy zeruck in sich schliken müessen, uff mich usgiessen. Gott welle es allen, und mir mine sündt gnedigklich verziehen etc.  
Bauernkrieg 1653: Rechtfertigung des Beromünsterer Propstes Wilhelm Meyer nach 1653 - Seite 7
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dass ich die buren in wahn wellen lassen, alss weren die vier puncten ein punt, do es aber an im selbst keiner wahr, sagen die nidharden, dz sie certa restrictio mentis, oder wie sy gut teutsch redten, ich hab mit liegen die buren betriegen wollen; alss were es irer übel gehandlet, wan einer ein dieb, oder mörder ihm zu entrünnen kan überfortlen. Muss David übel gethan han, wass er dem priester Abimelech vorgeben, sich zu erretten? (1 Reg 21).
S. Franciscus müss übel den ermel an siner kutten vermeinende, jenen so ein menschen fangen wollen, solche zu erretten geantwortet, er sye nit hiedurch (den ermel verstehende) gangen.
S. Athanasius, alss er uff dem wasser, denen, so ihn fangen wollen, unbekannt entgegen gschiffet und befragt, ob Athanasius wyt von dannen, geantwortet, er sie nit wyt, also entrunnen. Item muss übel gethan haben, do er sinerdiaconum einen mit sich genommen, für sine find die Arianer gestalt angwysen, er solle vor dem unverschampten wib sich stellen, alss were er der Athanasius.
So hat unser lieber herr vil restrictiones mentis brucht, wil solche ob got wil nit dörfen vernamsen, er gab glogen, (Joh. 2), alss er verküffer zum tempel hinuss giagt, und befragt werde, wen er für ein zeichen von sich gebe, dz er solches thüie; sagt, löset den tempel uff, und in dry tagen will ich ihne wider uffrichten. Darab sich die Juden gwegeret, dz er thun woll in 3 dritagen, dz kum in 46 jaren gschehen könne. Dan sy meinten er rede vom tempel, hat er von sinem lib geredt. daran und derglichen reden und thaten gar vil Christus verüebt. Wan er von einer sach befragt worden, dem schin nach uff selbiges geantwortet, jedoch wyt ein anders gedacht und angedeutet.
Erscheint sich also der bös willen, wan man so nach sucht, und nichts findt. Gott gebenedeit. Amen.
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