Propst Vogt'sches Urbar

StiALU PAA 175/104

Das Vogt'sche Urbar, angelegt um 1500 unter Propst Heinrich Vogt, ist weit mehr als ein Verzeichnis der kollegiatstiftischen Besitzrechte. Es ist ein Legitimationsinstrument des Stifts sowohl gegenüber seinen Lehensleuten als auch gegenüber der Stadt. Das Urbar enthält unter anderem eine Sammlung von Rechtstiteln nach alten Aufzeichnungen.

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«Urbar», vom althochdeutschen «urberan» beziehungsweise mittelhochdeutschen «erbern» abstammend, meint so viel wie «hervorbringen, Ertrag bringen». Dem Charakter des Urbars gemäss, beinhaltet auch das Propst Vogt'sche Urbar eine Auflistung der dem Kollegiatstift rechtmässig stehenden Einkünfte ab seinen grundherrlichen Gütern. In diesem Sinn ist das Urbar kein Rechnungsbuch, wie es beispielsweise Einkünfterödel sind. Denn im Urbar sind nur die Sollwerte festgehalten, nicht aber die effektiv jährlich bezogenen und gebuchten Werte.

Für die Wirtschaftsführung war das Urbar von Propst Vogt unverzichtbar. Wie sonst, ohne diese schriftliche Übersicht zu konsultieren, hätte das Stift feststellen können, was ihm an Einkünften zustand? Wirtschaft und Recht verbanden sich in diesem Band zu einer Einheit, ein Band, der seine Abfassung wahrscheinlich der immer unübersichtlicher werdenden stiftischen Besitz- und Rechtsverhältnisse zu verdanken hatte. Gerade in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte das Kollegiatstift viele seiner entfernter liegenden Besitztümer verkauft und stattdessen Grund, Boden und Rechte in der näheren Umgebung erworben. Dazu kam der sogenannte «Generalauskauf» von 1479, bei dem die Stadt Luzern einen grossen Teil der noch verbliebenen stiftischen Hoheitsrechte in der Stadt abgelöst hatte.

Damit aber noch nicht genug: Heinrich Vogt, der als Jurist die Rechte des Stiftes möglichst gut legimitiert wissen wollte, integrierte auch die altehrwürdige Tradition der Wichard'schen Schenkung (s. «Traditionsrodel») in sein Urbar. Nur wenige Jahre zuvor hatte er die Erzählung von der Stadt amtlich bestätigen lassen. Dies tat er im Wissen um die Wichtigkeit des «alten Herkommens»: Wer alte Herkunft, alten Besitz, alte Rechte glaubhaft darlegen konnte, besass die bestmöglichen Chancen auf deren Verbindlichkeit und Akzeptanz. Ein zusätzliches Legitimationsmittel war, in Anlehnung an die Darstellung des Chronisten Melchior Russ den Königsverwandten Wichard als Herzog von Schwaben aufzubauen. Mit dem Herzogtum Schwaben wiederum verband sich das Staufferwappen mit den drei Löwen, das alsbald in die heraldische Tradition des Stiftes Eingang fand.