Ein Telefonapparat für die kantonale Verwaltung, 1885

Am 12. August 1885 beschliesst der Regierungsrat, von seinem Anspruch auf ein Gratisabonnement für die "telephonische Stadtkorrespondenz" Gebrauch zu machen. Zudem sei auch das Kommando der Kantonspolizei mit dem Telephonnetz zu verbinden (nachdem die Strafanstalt und das Zentralgefängnis bereits einen Anschluss besässen).

Auszug aus dem Verhandlungsprotokoll des Regierungsrates vom 12. August 1885

Am 31. August 1885 wird der Antrag auf ein Gratis-Abonnement unterschrieben und am 7. September genehmigt - vermutlich der 90. Abonnent in Luzern.

Abonnementsbedingungen und unterzeichneter Antrag

Telefonieren gehört noch nicht zum Alltag - deshalb braucht es für die Bedienung des Apparats und für das Führen des Gesprächs eine genaue Anleitung.

"Was beliebt?"

Telefonnummern zu wissen ist nicht nötig, die freundliche Centralstation vermittelt. Die Technik der direkten Verbindung erfordert ein genaues Einhalten vorgegebener Abläufe, damit Verbindungen hergestellt und Leitungen wieder getrennt werden konnten .

Auszug aus dem Verhandlungsprotokoll des Regierungsrates vom 12. August 1885

Auszug aus dem Verhandlungs- protokoll des Regierungsrates vom 12. August 1885

Apparat von 1881

Apparat von 1881 aus der Sammlung der deutschen Museumsstiftung Post und Kommunikation

Das Abonnentenverzeichnis umfasst gerade 4 Seiten (unten sehen Sie die Buchstaben "R" bis "T"). Es wurde mit handschriftlichen Ergänzungen aktuell gehalten - wie lange das Verzeichnis in Gebrauch war, ist heute nicht nachvollziehbar.

Bei den Abonnenten handelte es sich um Hotels, Geschäfte und Verwaltungen. Daran angepasst waren auch die Betriebszeiten von morgens 7 Uhr bis abends 9 Uhr, allerdings nur an Werktagen.

Private Anschlüsse finden sich noch keine - nicht erstaunlich bei einem Abonnementspreis von 150.- (obwohl sonst die Abonnementsbedingungen durchaus mit heutigen Angeboten zu vergleichen wären, z.B. flat-rate im Ortsnetz, Vertrag auf 24 Monate mit 1 Monat Kündigungsfrist...)

Gebrauchsanleitung

Gebrauchs-Anleitung, datiert vom 1. August 1884

Quelle im Staatsarchiv Luzern

  • Alle drei oben erwähnten Stücke finden sich im Dossier mit der Signatur: AKT 38/9 E

Weiterführende Literatur und Weblinks

  • Swisscom Directories (Hrsg.), Bestseller der Nation : das Buch zum Telefonbuch : le livre de l'annuaire téléphonique. Zürich, 2005: Dort findet sich auch auszugsweise das erste Luzerner Telephonverzeichnis vom August 1883.
  • Daniel Speich, Als der Telegraf zu reden begann. In: Die Südostschweiz, Millennium, 14.12.1999, S. 26. (PDF)
  • Weitere Informationen zur Telefonie bietet das Museum für Kommunikation in Bern.
  • Ausstellung im Museum für Kommunikation 2003: "Telemagie - 150 Jahre Telekommunikation in der Schweiz"
  • Die Geschichte der Swisscom enthält Informationen zur Telekommunikation in der Schweiz

Autor und Web-Umsetzung: Markus Lischer